Vietnam. Krieg

Einfahrt in Saigon. Diesmal allerdings nicht mit dem Panzer und ohne Agent Orange, sondern mit dem Bus. Ist wahrscheinlich auch um einiges bequemer. Die Autobahn ist frisch gebaut – der bullige Mercedes gleitet dahin. Vorbei an Flüssen, beschaulichen Häuschen und jeder Menge Palmen. Ach herrlich…

Ein paar Kilometer später beginnt das Wuseln der Großstadt. Durch das Busfenster wirkt Saigon fast wie ein Aquarium. Die Türen öffnen sich am Ben-Thanh-Markt. Trommelfeuer. Saigon drischt auf seine Besucher mit aller Gewalt ein. Millionen von Mopeds schwirren auf den Straßen wie ein Bienenschwarm. Das Knattern der Motoren klingt wie Maschinengewehrfeuer. Es ist drückend, heiß und staubig. Die Straßenhändler sind ausgemergelt aber extrem aggressiv. Hüte, T-Shirts, Postkarten. „Buy, Buy, Buy!“. Saigon ist keine Stadt. In Saigon hat jemand neun Millionen Vietnamesen auf einen Haufen geschmissen. Saigon ist ein riesiger Ameisenhaufen. Umgehauen – mal wieder.

Autos gibt es hier kaum. Unfassbar hohe Einfuhrzölle sorgen dafür, dass es wahrscheinlich noch eine Weile so bleiben wird. Vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht, dass hier nur Mopeds fahren. Sonst würde die Stadt nämlich ersticken. Es gibt keine UBahn und nur einige wenige Busse. Was noch nicht ist, kommt aber noch: Mit zweistelligen Wachstumsraten explodiert auch in Saigon und Hanoi das Nahverkehrsnetz. Und im Tunnelbau waren die Vietnamesen ja schon immer recht gut…

Es bleibt aber die äußerst wichtige Frage, wie man eine Straße überquert. Der Trick: Stur weiter laufen. Dann können die Mopedfahrer entscheiden, ob sie links oder rechts vorbei fahren. Bloß keine hektischen Bewegungen machen. Die Überführung des Körpers nach Deutschland kann recht teuer für die Angehörigen werden. Außerdem schimmelt man in diesem Klima sofort… Das wussten schon die Amis und haben sich schnell wieder verzogen.

Saigon wurde 1976 nach Ende des Krieges offiziell in Ho Chi Minch Stadt umbenannt. So nennen sie aber nur die Parteifunktionäre. Bevor die Amerikaner 1973 das Weite suchten, war es die Hauptstadt des demokratischen Südvietnam. Als der letzte Ami dann hektisch in den Hubschrauber sprang, stand der Vietcong schon in den Startlöchern und konnte in die Stadt einmarschieren. „Befreien“, wie der Vietnamese sagt.

Auch wenn Vietnam längst nur noch auf dem Papier kommunistisch ist, haben sich die Amerikaner hier überhaupt keine Freunde gemacht. Bis heute ist man einfach sau stolz, dass man ohne Luftwaffe und funktionierende Marine eine Supermacht aus dem Land gejagt hat. Deswegen wohl auch die Kommunisten-Romantik.

Wobei hier von Romantik einfach nichts zu sehen ist. Auch von westlichen Produkten. Man muss es den Vietnamesen zu Gute halten: Wer Jahrhunderte von Kolonialherrschaft und einen grausamen 30 Jahre währenden Krieg überstanden hat, der hat einfach keinen Bock auf McDonalds und CocaCola. Wer dem nicht glauben mag, sollte mal ein Blick in das Kriegsrestemuseum werfen.

Zurück zur Innenstadt. Ich erkenne Ruhe im Gewusel. Am Straßenrand sitzt ein alter Vietnamese und rasiert sich. Daneben schlafen drei Rikschafahrer auf ihren Gefährten. Seelenruhig schlendert eine alte Frau über die Straße. Um sie herum knattern tausende Mopeds. Die Frau hebt noch nicht mal ihren Blick. Wie das funktioniert? Keine Ahnung! Aber Vietnamesen haben schon weit schlimmeres überstanden, als eine Kreuzung.

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10 Antworten auf Vietnam. Krieg

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  10. Alain sagt:

    Interessanter Blogpost.Ich habe einige frische Gedankenanstoesse bekommen. Freue mich schon auf neue Posts zum Thema.

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