Thailand. Hasspredigt.

Schwimmender Markt, Bangkok. Am Vormittag. Angepriesen als „traditioneller und außergewöhnlicher Spot für Thais und Touristen“, entpuppt er sich schnell als Disneyland. Die Souvenir-Läden erstrecken sich bis zum Horizont. Bunte Boote schippern Touristen im Sekundentakt durch die Kanäle. Been there, done that, got the picture and the t-shirt. Von Thai-Kunden keine Spur.

Der Tempel in Ayutthaya. Mittagszeit. Eine junge Frau nickt einem Touristen zu, legt die Handflächen aufeinander, geht auf die Knie und betet zu einer Budda-Statue. Der Tourist schießt 20 Fotos. Die Frau erhebt sich und hält die Hand auf. Der Tourist drückt ihr 50 Baht in die Hand. Bezahltes Beten. An der Ecke wartet schon die nächste „Weißnase“.

Elefantenschule. Nachmittag. 200 Kameralinsen quetschen sich auf knappe zehn Quadratmeter: „Süß!“, „Sweet!“, „Guapo!“, „Magnifique!“. Vorne wackelt ein Baby-Elefant zum Black Eyed Peas Song „Dirty Bit“ mit dem Rüssel. Jetzt ist Schluss. Weg hier.

Wo man hinblickt haben sich die Leute auf den Tourismus eingeschossen. Egal ob Massage, Tiger Balm, Handtaschen, Bettler… Alle sind hinter den Touristen her – und ich fürchte sie sind davon auch abhängig. Auch das Angebot richtet sich so weit das Auge reicht an westliche Besucher. Warum ich das so genau weiß? Weil die Einheimischen für das 200-Baht Bier in der Eckkneipe einen ganzen Tag arbeiten müssen. Es ist wie beim Daimler in den 50er Jahren. Tausende (in Thailand wohl Millionen) arbeiten an einem Produkt und keiner der Arbeiter kann es sich selbst leisten. Das ist verrückt.

Kulturreproduktion für den Tourismus? Klar. Muss sein um sie noch am Leben zu erhalten. Wo sieht man denn Heute noch den Schuhplattler? Da muss man sich schon an die Touri-Spots begeben. Gelebte Kultur, das gibt’s ja nur noch selten auf der Welt. Trotzdem: Thailand schießt übers Ziel hinaus. Es geht hier nicht mehr um die Monetarisierung von Kulturgut sondern die optimalste Bedienung des westlichen Thailand Klischees. Es gewinnt der Thai, der die meisten Europäer-Synapsen anregt. Das geht halt am besten mit Elefantenbabys und Black Eyed Peas. Eine ganzes Volk unterwirft sich demütig dem Touristenstrom. Kultureller Ausverkauf. Total Buy-Out.

Wirklich. Ich wäre sehr froh, wenn der Thai mit dem Tiger-Balm Bauchladen am Abend nach Hause geht und sich über uns kaputt lacht. Hoffentlich denkt er: „Boah, sind die dumm! Für was die alles Geld ausgeben. Ich weiß gar nicht wo hin mit der Kohle.“ Dann schaltet er den Fernseher an, macht sich sein Bier auf und legt die Füße hoch. Ich fürchte nur, er tut das nicht…

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