London. Zeitprobleme.

Alle Jahre wieder kommt der britische Finanzminister aus seinem Häuschen in der Downing Street 11. Traditionell legt er den Weg bis zum Parlament zu Fuß zurück. Hinter ihm eine Schar von treuen Bürgern, die ihn auf diesem Weg begleiten. In seiner Hand trägt er ein kleines rotes Köfferchen. Die so genannte Red Box. Darin befindet sich der Haushalt für das kommende Jahr. Das haben die Briten immer schon so gemacht. Der Koffer hält schon 150 Jahre.

In den letzten Jahren gab es nur ein kleines Problem: Das Köfferchen leidet an akuter Altersschwäche. Der Henkel war schon fast abgebrochen. Ein neuer Koffer musste her. Also hat Herr Cameron fix einen bestellt. „Geht mal gar nicht klar!“ rief das Volk. Wochenlang bestimmte ein kleines rotes Viereck die Schlagzeilen des Empires. Tradition und so. Außerdem war das neue Teil ein bisschen teuer geraten: 4300 Pfund.

Am 29 April wird übrigens William seine Waity-Katy ehelichen. Man munkelt dass die Hochzeit weltweit mehr Zuschauer haben wird als das Endspiel der Fußball Weltmeisterschaft. Ein bisschen viel für zwei ziemlich langweilige Gestalten die wahrscheinlich niemals König und Königin werden, weil die Queen sowieso niemals sterben wird. Gut. Andere Diskussion.

„The Royal Wedding“ ist den Briten liebster Zeitvertreib. T-Shirts, Tassen, Plakate – die beiden sind einfach überall. Wer dann immer noch nicht genug hat, kann bei William Hill auf so ziemlich alles wetten, was das royale Herz begehrt. Sollte das Auto auf dem Weg zur Westminster Abbey eine Panne haben gibt es 67-Fache des Einsatzes zurück. Bei einem grünen Brautkleid  gibt’s leider nur das 66-Fache und wenn der Hochzeitstanz zu „Sex on Fire“ von den Kings of Leon getanzt wird noch weniger: 51-facher Einsatz. Da bleibt zum Glück immer noch die Hutfarbe der Queen. Am wahrscheinlichsten ist wohl Gelb. Da ist die Quote mit 2,75 am niedrigsten. Aber die ändern sich praktisch täglich. Über so etwas macht sich der Brite Gedanken und über so etwas redet er beim abendlichen Bier.

Ach ja… und dann war da ja noch der größte Fauxpas in der Geschichte des Empires. Michelle Obama. Hat. Die. Queen. Angefasst. Oh, ja! Danach konnte für zwei Wochen keiner der Inselbewohner ruhig schlafen. Das hat die Briten noch mehr beschäftigt als die letzten Wahlen. Keine der beiden großen Parteien hatte eine absolute Mehrheit – Hung Parliament. Oh. Mein. Gott. Vorher wusste in London kaum jemand wie man das Wort Coalition überhaupt buchstabiert. Wer sollte denn dann das rote Köfferchen tragen? Naja… Sie haben es ja hingekriegt die Jungs und Mädels im Unterhaus. 1974 gab’s wegen so etwas noch Neuwahlen…

Der Brite diskutiert viel. Sehr viel. Meistens über ziemlich sinnfreie Dinge. Das kostet Zeit. Wertvolle Zeit. Zeit, die man für sehr sinnvolle Dinge verwenden könnte. Die Ubahn bräuchte dringend größere Tunnel, damit man sich nicht ständig die Birne stößt, neue Gesetze für die Schlusszeiten von Bars und Clubs wären nicht schlecht, der Verkehr gehört verdammt noch mal auf die andere Seite der Straße und die Miete könnte hier auch mal jemand senken. Deswegen ist nämlich auch die Einwohnerzahl von Central London in den letzten 100 Jahren gesunken.

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