Dubai, wir müssen reden

Liebes Dubai,
IMG_0515-1024x768Wir müssen reden. Es ist 1:12 – Ortszeit. Das bedeutet, dass es in Westeuropa gerade später Abend ist. So 22 Uhr rum. Soweit so Transitreisenmäßig. Die Sache ist die, dass ich von Dir – liebes Dubai gerade mal den Flughafen gesehen habe und jetzt schon keinen Bock mehr auf Dich habe. Aber der Reihe nach.
Emirates Flug 046. Frankfurt – Dubai. Economy Class. Sitz 41 H. Ich übertreibe nicht, wenn diese „Holzklasse“ vor knapp 10 Jahren noch als Business, wenn nicht sogar First Class durchgegangen wäre. Essen: Wahnsinn. Die Weinauswahl: Extraordinär (umsonst, versteht sich). Das Entertainmentangebot: Unbeschreiblich. Wenn es draußen dunkel wird simuliert die Airline an der Kabinendecke einen Sternenhimmel. Nett anzusehen. Ach ja: Die Beine kann man auch ausstrecken.

IMG_0528-1024x768Man kann sich also zurücklehnen. Zumindest nachdem man sich durch die 400 TV-Kanäle, 600 Filme und 200 Serien in dem „In Flight Entertainment System“ gewühlt hat – von den 400.000 Songs in der Musikbibliothek mal ganz abgesehen.
Es war irgendwo über Istanbul als ich mich für die neuesten US-Folgen von How I Met Your Mother mit arabischen Untertiteln entschieden hatte. Das fesselt für eine Weile – und ist mit der zweiten Flasche Wein auf IMG_0537-1024x76810.000 Metern auch dementsprechend lustig. Irgendwann dann meldete sich der Pilot, um seine besorgten Passagiere darüber zu informieren, dass wir in den nächsten zwei Stunden bestimmt nicht abgeschossen werden: „Iraqi Boarder. Their RPGs can only aim for american helicopters“. Beruhigend. Irgendwie.

Technisch gesehen war ich aber für knapp eine Stunde Kulturbotschafter für ein von Diktatoren, Terroristen und Amerikanern geschundenes Volk. Wären wir abgestürzt hätte ich bestimmt den letzten Barney Stinson Witz in der irakischen Pampa erzählt. Irgendwie Makaber.
IMG_0525-1024x768Am schärfsten waren allerdings die kleinen, sexy Kärtchen die man sich an die Decke klemmen konnte: „Wake me up for Dinner“, „Don’t disturb me“, „Wake me up for Duty Free“. Wie im Hotel. Wecken für den Konsum. Das bringt mich auch auf den Punkt: Dubai, ich MÖCHTE einfach nicht mehr Geld bei Dir ausgeben als unbedingt nötig. Wirklich.
Dubai International Airport und Emirates Airlines sind symbiotischer als Wal und Putzerfisch. Flughafen Dubai Terminal 3. Das ist Emirates Land – und NUR Emirates Land. Hier ist kein einziger Passagier, der sein Ticket bei einer anderen Airline gelöst hat. Dieser Flughafen gehört praktisch nur zu Emirates. Alle anderen sollen wohl rausgeekelt werden. Ich habe mir gerade auch sagen lassen, dass das Terminal 1 mit allen anderen Airlines nicht klimatisiert ist. Ziemlich unsexy für 30 Grad Außentemperatur mitten in der Nacht. Hoffentlich ist es ein Gerücht.
Ich möchte an dieser Stelle auch betonen, dass es sich um einen Flughafen handelt. Ich IMG_0548-1024x768habe hier nämlich noch kein Flugzeug gesehen. Nur ungefähr 10.000 Menschen in einem zwei Kilometer langen Gebäude. Alle im Transit. Irgendwo unterwegs zwischen Asien, Europa und Amerika. Das Publikum sieht aus wie die Uno Vollversammlung. Das einzige, was sich hier von der Außenwelt erkennen lässt ist das Burj Khalifa – dieses 850 Meter hohe Milliardendollar-Loch.

Dieses Terminal ist ein hermetisch abgeriegeltes Universum. Es gibt KEINE Verbindung nach draußen und auch keine Möglichkeit dem Shopping zu entgehen. Ach ja, es gibt eine Autobahn für Golf Carts mit einem Shuttle Service zwischen den Gates.

Auch die Bezeichnung „Gebäude“ ist ein bisschen schwammig. Im Endeffekt handelt es sich hier um einen perversen Shopping-Konsum-Luxus-Tempel mit „Spa and Wellness“, „Showers“ und tausenden (wirklich tausenden) Dolce & Gabana (zwei b oder ein b?), Burberry (zwei r oder ein r?), was auch immer Designer-Zeugs… Ach ja: Prayer Rooms gibt es auch. Alle 50 Meter.

IMG_0544-e1299025016627-768x1024Dubai, Dein Mikrokosmos – und diesen Vergleich musst Du Dir gefallen lassen – ist wirklich weit hinter allem, was ich mir vorstellen konnte. Seien wir mal ehrlich: Ich habe gerade nur 20 Euro umgetauscht und ich bin nicht bereit noch mehr Kohle in zehn Stunden Transit auszugeben.

Du machst mir das aber sehr schwer. Vor allem wenn an jeder Ecke zwei reizende Damen mir das neue IPad (Ich will es wirklich haben) und die neueste Kamera andrehen wollen. Diese Stadt, dieser Flughafen, dieses Paralleluniversum scheint es einfach nicht wahrhaben zu wollen, dass es auch Passagiere mit dreistelligen Summen auf dem Konto gibt. Nein, hier kann man einfach nicht günstig Überleben. Noch nicht mal bei McDonalds. Der BigMac kostet umgerechnet locker vier Euro. Dubai, ich hoffe, mein Konto wird Dich überleben.

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