Der Krisen-Manager: Chronik eines Hausmanns

6.20 Uhr im Hause Schröder-Köpf. Gerd wird aus dem Schlaf gerissen. Er liegt allein im Bett. Auf dem Nachttisch ein Zettel: „Musste ins Büro. Denkst Du bitte an Victorias Vitamintabletten? Könntest Du noch einkaufen? Küsse, Deine Doris.“

Gerd schwingt sich aus den Federn und rauscht ins Bad. Er bewaffnet sich mit einem nassen Schwamm und zieht durch die Kinderzimmer. Gregor ist schon wach und hüpft auf dem Bett. Ein Zimmer weiter wehrt sich Victoria mit Händen und Füßen gegen den nassen Schwamm in ihrem Gesicht. Sie kreischt, zetert, kratzt und wirft ihre erste Wimperntusche hinter ihrem Vater her, der aus dem Raum flüchtet. Wann ist diese Pubertät endlich vorbei, denkt Gerd.

Während er Gregor die Pudelmütze aufzieht, hört Gerd einen Schlüssel in der Tür. Klara schaut vorsichtig durch den Türspalt und erschrickt, als sie ihren Stiefvater sieht. Ihre Haare: Zerzaust. Ihre Schminke: verlaufen. Ihr Mundgeruch: Naja… Gerd starrt auf das Loch in ihrer schwarzen Strumpfhose. Sprachlos. Klara huscht an ihm vorbei. Du musst härter durchgreifen, denkt er.

Ich brauche mal wieder Zeit für mich, denkt er, als er später das Klo putzt. Victoria hat nicht richtig abgespült. Dann gibt’s auch keine Vitamintabletten, denkt er. Ist sie überhaupt zur Schule gegangen? Oh. Schon 12 Uhr. Kochen.

Liebevoll drapiert er das Mittagessen. Es gibt Tofu-Schnitzel mit mit roten Bohnen. Die Bohnen sind Gerd wichtig. Er legt sie in die Mitte des Tellers. Nicht zu nah an den linken Rand. Da ist er eitel. Er pfeift „Wind of Change“ als sein Handy klingelt. Eine SMS von Doris: „Komme später. Bin noch mit Carla im Studio. HDGDL“. Diese Carla, denkt er. Der französische Akzent war ihm noch nie geheuer.

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